Reisen

Work and Travel Australien: Visum, Jobs und Kosten im Überblick

Work and Travel in Australien planen: Visum, Jobsuche, laufende Kosten und praktische Tipps für dein Working Holiday Jahr übersichtlich erklärt.

Abgelegt am Stand: Reisen 8 Min. Lesezeit
work and travel australien

Ich saß an einem Dienstagmorgen in einem Café in Brisbane, trank meinen ersten Flat White des Tages und rechnete nach, wie viel ich in der vergangenen Woche auf einer Mango-Farm im Norden von Queensland verdient hatte. Es war mehr, als ich in drei Wochen Urlaubsjob in Deutschland bekommen hätte. Work and Travel in Australien funktioniert genau so: Man reist, man arbeitet, man finanziert das eine mit dem anderen — und wenn es gut läuft, bleibt am Ende noch etwas übrig. Dieser Überblick zeigt, was du brauchst, was es kostet und wo du anfangen kannst.

Was ist Work and Travel in Australien? Ein Überblick für Einsteiger

Work and Travel beschreibt keine spezifische Programmform — es ist ein Lebensstil auf Zeit. Man reist durch ein Land, finanziert den Aufenthalt durch Jobs, die man unterwegs annimmt, und bleibt flexibel in Richtung und Dauer. Australien ist seit Jahrzehnten eines der beliebtesten Ziele für diese Art des Reisens, weil das Land die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen hat: ein unkompliziertes Visum, einen vergleichsweise hohen Mindestlohn und einen dauerhaften Bedarf an Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft.

Die meisten, die sich für Work and Travel in Australien entscheiden, sind zwischen 20 und 28 Jahre alt, haben einen Berufsabschluss oder ein laufendes Studium und wollen ein Jahr lang raus aus dem gewohnten Rhythmus. Manche reisen alleine, andere zu zweit oder in Gruppen. Was alle verbindet: die Kombination aus echtem Reisen und echtem Arbeiten — kein Praktikum, kein Kulturprogramm, sondern Schichten in der Gastronomie oder Früchte pflücken bei 35 Grad.

Was Work and Travel von einer normalen Reise unterscheidet, ist der Zeithorizont. Ein normaler Touristenaufenthalt in Australien ist auf drei Monate begrenzt. Mit dem Working Holiday Visum bleibt man bis zu zwölf Monate — und unter bestimmten Bedingungen sogar zwei oder drei Jahre. Das macht den entscheidenden Unterschied, wenn man das Land wirklich kennenlernen will: die Trockenzeit im Northern Territory, das Great Barrier Reef zu verschiedenen Jahreszeiten, den Süden im australischen Winter.

Wer mehr über die grundsätzliche Frage nachdenkt, was ein Auslandsjahr langfristig verändert, findet dazu eine persönliche Einschätzung in unserem Beitrag über das Auslandsjahr und seine Wirkung auf dein Leben.

Working Holiday Visum: Voraussetzungen und Beantragung

Das Working Holiday Visum für Australien trägt die offizielle Bezeichnung Subklasse 417 und richtet sich an Staatsangehörige einer Reihe von Ländern — Deutschland gehört dazu. Die Kernbedingungen sind klar: Du musst zwischen 18 und 30 Jahre alt sein (für Staatsangehörige bestimmter Länder bis 35 — für Deutsche gilt 30), darfst keine unterhaltsberechtigten Kinder mitbringen und musst einen gültigen deutschen Reisepass vorlegen.

Die Beantragung läuft vollständig online über das australische Einwanderungsportal ImmiAccount. Die Bearbeitungszeit liegt in der Regel bei wenigen Tagen bis zu drei Wochen, kann in seltenen Fällen aber auch länger dauern. Die Visumgebühr beträgt aktuell 635 AUD (Stand: Mai 2025) — das entspricht je nach Wechselkurs ungefähr 385–400 Euro. Zusätzlich wird eine Gesundheitsuntersuchung (Medical Examination) verlangt, die in Deutschland bei autorisierten Ärzten durchgeführt wird und nochmals ca. 150–200 Euro kostet.

Mit dem Visum darfst du zwölf Monate in Australien bleiben, durchgehend oder mit Unterbrechungen. Arbeiten ist erlaubt, allerdings nicht länger als sechs Monate beim selben Arbeitgeber. Wer sein Visum verlängern möchte, kann ein Second Working Holiday Visum (Subklasse 417) beantragen — Voraussetzung dafür ist eine mindestens 88-tägige Beschäftigung in einer ausgewiesenen Region (specified work) in der Landwirtschaft, im Fischereiwesen oder im Bauwesen. Seit 2023 gibt es auch ein Third Working Holiday Visum unter denselben Bedingungen.

Ein Tax File Number (TFN) solltest du direkt nach der Einreise beantragen — ohne TFN werden 47 % deines Einkommens einbehalten statt des regulären Steuersatzes. Die Beantragung ist kostenlos über die australische Steuerbehörde (ATO).

Jobs in Australien: So findest du die passende Beschäftigung

Der Arbeitsmarkt für Working Holiday-Reisende in Australien ist breit. Die bekanntesten Jobs sind die sogenannten Farmjobs — Fruit Picking (Früchteernten), aber auch Gemüseernte, Weinlese in South Australia oder Victoria, und Pflanzarbeiten in Queensland. Diese Jobs brauchen keine Vorerfahrung, zahlen häufig nach Akkord (Stückzahl) oder nach Stunden, und viele Farmbetriebe bieten gleichzeitig einfache Unterkunft an — Caravan-Parks oder Farmcamps, für ca. 80–150 AUD pro Woche.

Wer es lieber städtisch mag, findet in Melbourne, Sydney oder Brisbane regelmäßig Stellen in der Gastronomie: als Barista, Kellner, in der Küche oder im Housekeeping von Hotels. Australische Cafés haben eine ausgeprägte Kaffeekultur — wer einen RSA (Responsible Service of Alcohol) und einen Food Handler Certificate vorweisen kann, hat deutlich bessere Chancen. Beide Kurse kosten jeweils ca. 25–50 AUD und sind innerhalb weniger Stunden online absolvierbar.

Praktische Plattformen für die Jobsuche:

  • Gumtree.com.au — Kleinanzeigen, besonders für Farmjobs und kurzfristige Stellen
  • Seek.com.au — größtes australisches Jobportal, auch für qualifizierte Stellen
  • Backpackerboard.com.au — speziell für Working Holiday-Reisende
  • Hostel-Pinnwände — immer noch eine zuverlässige Quelle für lokale Kurzjobs

Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 23,23 AUD pro Stunde (Stand: Juli 2024). Für Schichtarbeit, Wochenenden oder Feiertage gelten Penalty Rates — am Sonntag beispielsweise 175–250 % des Grundlohns, je nach Award (Branchenvertrag). Das ist real spürbar: Eine 10-Stunden-Schicht am Sonntag kann mehr einbringen als zwei Werktage zusammen.

Wo es sich lohnt, zwischen den Jobs die schönsten Ecken des Landes zu erkunden, zeigt der Beitrag über Australien Sehenswürdigkeiten und die schönsten Orte.

Finanzplanung: Kosten und Budget für dein Australien-Abenteuer

Wie viel Geld man für Work and Travel in Australien braucht, hängt stark davon ab, wie man lebt. Als Faustregel gilt: Mit 5.000–6.000 AUD Startkapital kommt man an. Damit kannst du die ersten vier bis sechs Wochen überbrücken, bis das erste Gehalt auf dem Konto ist, Visumgebühr und Flug sind dabei noch nicht gerechnet.

Ungefähre Monatskosten im Überblick (AUD)

  • Unterkunft (Hostel-Dorm): 800–1.400 AUD
  • Unterkunft (WG-Zimmer): 900–1.600 AUD
  • Lebensmittel selbst kochen: 300–500 AUD
  • Transport (öffentlich): 100–200 AUD
  • SIM-Karte + mobiles Internet: 30–50 AUD
  • Freizeit, Ausflüge, Gelegentliches Essen gehen: 200–400 AUD
  • Gesamtschätzung: 1.500–2.800 AUD/Monat

Der Flug aus Deutschland nach Sydney oder Melbourne kostet je nach Buchungszeitpunkt zwischen 700 und 1.400 Euro (Hin- und Rückflug). Wer flexibel ist und sechs bis acht Monate im Voraus bucht, zahlt meist deutlich weniger. Das Visum (635 AUD) und die Gesundheitsuntersuchung kommen oben drauf.

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: das Motorrad oder der Gebrauchtwagen. Viele Working Holiday-Reisende kaufen sich nach ein bis zwei Monaten ein altes Auto für 2.000–4.000 AUD — das spart langfristig Transportkosten, vor allem auf dem Land, und gibt deutlich mehr Flexibilität bei der Jobsuche in entlegenen Regionen. Beim Weiterverkauf am Ende des Aufenthalts bekommt man häufig einen ähnlichen Betrag zurück.

Realistisch gesehen kann man bei konsequenter Farmarbeit in drei Monaten 8.000–12.000 AUD verdienen — je nach Region, Betrieb und persönlicher Ausdauer. Städtische Jobs in der Gastronomie bringen pro Monat typischerweise 2.500–4.000 AUD netto, abhängig vom Stundenvolumen.

Wer den Aufenthalt mit einem Roadtrip verbinden will, findet konkrete Routenvorschläge und Kostenkalkulationen im Beitrag über den Roadtrip durch Australien: Routen, Kosten und Tipps.

Tipps für die Reiseplanung: Von Versicherungen bis zum Rucksack

Australien hat kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland, das Working Holiday-Reisende automatisch absichert. Eine private Reisekrankenversicherung ist deshalb Pflicht, keine Empfehlung. Anbieter wie die HanseMerkur oder die ADAC-Auslandsreiseversicherung bieten spezifische Working Holiday-Tarife an — Jahresprämien liegen je nach Deckungsumfang zwischen 300 und 600 Euro. Wichtig: Die Versicherung muss Arbeitstätigkeit explizit einschließen, nicht nur touristische Aktivitäten.

Beim Packen gilt: Australien hat vier Klimazonen, die sich innerhalb eines Reisejahres alle bemerkbar machen. Im Norden (Queensland, Northern Territory) ist es ganzjährig warm bis heiß, die Regenzeit dauert von November bis April. Im Süden (Victoria, Tasmanien) kann es im Winter — also im australischen Juni bis August — auf unter 10 Grad fallen. Leichte Funktionskleidung, eine dünne Daunenjacke und gute Wanderschuhe decken die meisten Situationen ab.

Praktische Vorbereitungsschritte vor der Abreise:

  1. Visum beantragen — idealerweise drei bis sechs Monate vor Abreise
  2. Tax File Number vorbereiten, direkt nach Einreise online beantragen
  3. Bankkonto einrichten — viele Reisende nutzen Wise oder ein australisches Konto bei CommBank oder NAB (kostenlos eröffenbar vor Einreise)
  4. Erste Unterkunft buchen — nur die erste Woche, der Rest ergibt sich
  5. RSA und Food Handler Certificate — falls Gastronomie geplant ist, vorab online absolvieren

Ein Tipp zur Packlistendisziplin: Wer mit einem 60-Liter-Rucksack anfängt, schleift am Ende meist 70 Liter durch die Gegend. Alles, was nicht nach zwei Wochen benutzt wurde, verschwindet in australischen Op Shops (Secondhand-Läden) — und wird durch Nützlicheres ersetzt, das man vor Ort findet.

Allgemeine Reisevorbereitung und was man auf jeder Reise wirklich braucht, behandeln wir auch in unserem Beitrag über die 12 Dinge, die du auf jeder Reise tun solltest.

„Der härteste Teil war nicht die Farmarbeit. Es war die Woche davor — nicht zu wissen, ob man einen Job bekommt. Danach war alles einfacher." — Jonas, 27, nach seinem Work-and-Travel-Jahr in Queensland

Zusammengefasst: Work and Travel in Australien ist ein logistisch planbares Vorhaben. Das Visum ist unkompliziert, der Arbeitsmarkt aufnahmefähig, und die Kosten sind kalkulierbar, wenn man ein paar Monate im Voraus rechnet. Was man nicht planen kann, sind die Begegnungen, die Umwege und die Wochen, in denen alles anders läuft als gedacht — und die am Ende die eigentliche Geschichte werden.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Wie viel Geld braucht man für Work and Travel in Australien?
Als Startkapital werden mindestens 5.000–6.000 AUD empfohlen, damit du die ersten Wochen bis zum ersten Gehalt überbrücken kannst. Die monatlichen Lebenshaltungskosten liegen je nach Unterkunft und Lebensstil zwischen 1.500 und 2.800 AUD.
Was ist Work and Travel in Australien genau?
Work and Travel bezeichnet eine Reiseform, bei der man das Reisen durch temporäre Jobs finanziert. In Australien ermöglicht das Working Holiday Visum einen Aufenthalt von bis zu zwölf Monaten mit Arbeitserlaubnis — unter bestimmten Bedingungen auch bis zu drei Jahre.
Welches Visum benötige ich für Work and Travel in Australien?
Deutsche Staatsbürger beantragen das Working Holiday Visum Subklasse 417. Es kostet aktuell 635 AUD, wird online beantragt und erlaubt einen zwölfmonatigen Aufenthalt mit Arbeitserlaubnis (Stand: Mai 2025).
Wie finde ich als Backpacker Jobs in Australien?
Für Farmjobs eignen sich Plattformen wie Gumtree.com.au und Backpackerboard.com.au. Für städtische Stellen in der Gastronomie oder im Housekeeping ist Seek.com.au die größte Plattform. Hostel-Pinnwände sind für kurzfristige Lokaljobs nach wie vor zuverlässig.
Wie alt darf man maximal für ein Working Holiday Visum sein?
Für deutsche Staatsangehörige gilt eine Altersgrenze von 30 Jahren zum Zeitpunkt der Visumantragstellung. Das bedeutet: Du musst das Visum beantragen, bevor du deinen 31. Geburtstag hast.
Kann man das Working Holiday Visum für Australien verlängern?
Ja. Wer mindestens 88 Tage sogenannte Specified Work — also Farmarbeit, Fischerei oder Baugewerbe in einer ausgewiesenen Region — nachweisen kann, darf ein Second Working Holiday Visum (Subklasse 417) beantragen. Unter denselben Bedingungen ist auch ein Third Visum möglich.
0