Die Eureka Stockade

Die Eureka Stockade
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Die Geschichte Australiens ist voll über blutige Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern, gegen Chinesen. Aber niemals haben die weißen Bewohner und die Kolonialregierung kämpferische Fehden mit Waffen ausgetragen. Bis auf eine Ausnahme. Die Eureka Stockade.

Es brodelte im Goldfeld Victorias. Der erste große Rausch war vorbei. Der Gouverneur Victorias La Trope hatte nach den Erfahrungen in Ophir ein Goldschürflizenzsystem in Kraft gesetzt. Danach konnte jeder bei Zahlung einer Gebühr nach Gold graben und seinen Fund abtransportieren. Das eingenommene Geld sollte für den Straßenbau und die Organisation der Polizei verwendet werden. Folglich setzte er schon am 20. September 1851 einen Goldbeauftragten ein, dem fünf Polizisten zur Seite standen. Sie sollten für Recht und Ordnung auf dem Goldfeld und für die korrekte Errichtung der Lizenzgebühr sorgen. Leider wurde diese Lizenz von Goldfeld zu Goldfeld unterschiedlich gehandhabt. Die Geltungszeiträume variierten von durchschnittlich drei Monaten bis aber auch zu Beschränkungen auf nur einen Monat. Dann musste durch erneute Bezahlung die Lizenz verlängert werden. Auch dann, wenn das Schürfen bis dahin erfolglos war. So gab es natürlich erste Proteste, die sich verstärkten, als die Polizei alle vertrieb, die keine Lizenzgebühr entrichtet hatten. Unter den Diggern, arm, abgearbeitet, erfolglos, rumorte es. 1853/54 war Ballarat eine überwiegende Zeltstadt, die recht bald zur fünftgrößten australischen Stadt anwuchs. Die kleinen Unruhen und Unwillenbekundungen, die Forderungen nach einem faireren System der Schürfsteuer blieben dem Gouverneur nicht verborgen. Er wollte Ruhe auf dem Goldfeld und erwog ernsthaft, die Schürflizenz auf 12 Monate auszudehnen. Dafür verweigerte ihm das Parlament, angeführt von der Gruppe der Opposition, von den Banken, von den Großviehzüchtern die Zustimmung.

Am Juni 1854 wurde Hotham neuer Gouverneur. Sein Fazit bei der Amtsübernahme: Die Kassen sind leer, weil die Hälfte der Digger hatte keine Lizenz gekauft hat. Dieses Defizit für die Kolonie sollte umgehend ausgeglichen werde. Er verzehnfachte die Jagd auf Lizenzbetrüger" (Licence Hunting). Zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Die Goldsuche in Ballarat war inzwischen überwiegend in den bergmännischen Abbau übergegangen. Es gab in ganz Australien kein Goldfeld, wo es so schlechte Arbeitsbedingungen und so miserable Bezahlung gab wie in Ballarat. Unruhe, ja Chaos im Goldfeld nahmen zu. Der Regierungsangestellte und seine Polizei schufen sich abgetrennte und bewachte Unterkünfte. Vielleicht mag es Ausdruck der Not und des Elends der Digger sein, wenn sogar Polizisten desertierten, weil sie die Gewalt, die Korruption und die zunehmende Wut der Digger nicht mehr ertragen konnten. Und in dieser Situation verlangte der Gouverneur zum Beispiel von vier Männern, die auf einem Bereich von 24 mal 24 Feet (das sind 53,4 m²) nach Gold suchten pro Person und Monat ein Pfund. Das Pulverfass war übervoll. Zur Explosion kam es wegen einer scheinbar alltäglichen Wirthausschlägerei. Zwei junge Seeleute, Martin und Scobie, wollten eines abends, schon angetrunken, im Hotel von James Bentley weiter zechen. Scobie stammte aus dem Ballarater Raum und kannte folglich auch die Kneipen. Ein weiterer Ausschank wurde ihnen von einem Angestellten des Eureka Hotels" verwehrt. Die beiden randalierten deswegen eine Zeit lang und zogen dann weiter zur nächsten Kneipe. Auf dem Weg wurden sie von Unbekannten niedergeschlagen und Scobie, hilflos am Boden liegend, durch Fußtritte getötet. Wegen dringendem Verdacht wurde der Wirt Bentley vorübergehend festgenommen und verhört. Bentley war mit der Polizei, mit vielen Verwaltungsbeamten befreundet. Folglich kam er ohne genauere Untersuchung nach kurzer Zeit, mit dem Hinweis auf seine Unschuld, wieder frei. Das war in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1854. Offensichtlich sollte der Vorfall zu den Akten gelegt werden. Und das war der Funke im Pulverfass. Am 17. Oktober protestierten Tausende aufgebrachte Digger vor dem Eureka Hotel gegen Bentleys Freispruch. Dem Hotelier blieb nur eine Möglichkeit. Er schnappte sich ein Pferd und verschwand. In den abgetrennten Regierungsbereich des Goldfeldes. Es kam zu ersten œbergriffen. Steine flogen, Fensterscheiben splitterten und im Gebrüll, im Aufruhr stand plötzlich das Hotel in Flammen. Jetzt musste die Regierung handeln. Zunächst erschien das 40. Regiment aus dem nur 150 Kilometer entfernten Melbourne. Und der Freispruch" Bentleys wurde aufgehoben. Er kam in Haft. Die Digger jubelten. Es schien so, als wolle der Gouverneur doch mit fairen Mitteln wieder Ruhe und Ordnung herstellen. Dieser Jubel schlug aber schnell in eine erneute Unruhe um. Auch drei der über tausend Protestierer wurden festgenommen und wegen der Revolte und Brandstiftung angeklagt. Historisch ist die große Protestversammlung am Bakery Hill am 11. November 1854. Erstmalig tauchte hier ein Problem auf, das den weiteren Verlauf der Revolte" bestimmen sollte. Was haltet ihr von dieser verdammten Licence TAX?" war die an die Digger gestellte Frage. Nothing!" kam die Antwort aus über zehntausend Kehlen. Der Gouverneur verstärkte als Antwort auf die Unzufriedenheit seiner Bürger" die Präsenz von Polizei und Militär. Hier wurde eine erste Möglichkeit, die späteren blutigen Auseinandersetzungen zu verhindern, vertan.

Dann kam am 23. November der Prozess um den Tod des jungen Scobie und die nachfolgenden Ereignisse. Der Hotelbesitzer, sein Angestellter und der Polizeichef wurden schuldig gesprochen und zu drei Jahren Gefängnis bei harter Arbeit bestraft. In solchen Sachen waren die Britten auch in den Kolonien nicht zimperlich. Die drei Hotelstürmer" bekamen je 7 Monate Gefängnis. Das Gnadengesuch eine Woche später für die drei Digger lehnte der Gouverneur ab. Gnade könne nur die Queen gewähren. Gleichzeitig ordnete er weiter Truppenverlegungen nach Ballarat an. Zu seinen Beamten sagte er, er wolle in Victoria keine Revolution wie 1848 in Europa haben. Der Einmarsch der Truppen führt zu einer ersten blutigen Auseinandersetzung. Die ersten drei Verwundeten, unter ihnen auch der junge Trommler des Regiments, zeugten von der Wut und Kampfbereitschaft der Digger. Trotzdem wurde die Intensivierung der Suche nach Diggern, die ohne Lizenz schürften, angeordnet. Von hier an war der kommende blutige Konflikt unvermeidbar. Als einen ersten Widerstand verweigerten die Goldsucher die Kontrolle ihrer Lizenzen, verbrannten sie zum Teil vor den Augen der Polizei. Am 30. November organisierten sich die Digger unter Führung von Peter Lalor und schworen bei einem Abendmeeting Wir schwören beim Kreuz des Südens wahrhaft füreinander einzustehen, und für den Schutz unserer Rechte und für unsere Freiheit zu kämpfen!"

Obwohl die meisten Teilnehmer der Protestversammlung nur für Protest, nicht für Kampf waren, bauten sie einen Zaun (Stockade) aus rohen Hölzern und grenzten so eine Fläche von etwa 6000 m² auf dem Gebiet von Eureka ab. Dort versammelten sie sich, dort wollten sie ihren Widerstand dokumentieren. Am 2. Dezember kam es zu ersten Verhandlungen. Der Regierungsbeauftragte Rede diskutierte erfolglos mit den Männern, hatte aber auch kein Angebot an die Digger. So deklarierte er den Zaun als ein Zeichen zunehmender und zu brechender Aggression.

Mittlerweile hatten sich 120 Männer dort eingefunden. Wären die tausende Protestteilnehmer gekommen, die Regierung hätte sich den Befehl zum Angriff wohl reiflicher überlegt. So aber! Einige Digger flohen sogar, um dem Konflikt auszuweichen, nach Melbourne. Peter Lalor und seine Mitstreiter waren einfach nur empörte Bürger, die ihr Recht haben wollten. Sie konnten sich, außer einer friedlichen Beilegung des Konfliktes bereits am nächsten Tag, keine andere Lösung vorstellen. Trotzdem verdufteten" noch in der Nacht die meisten als Wachposten eingeteilten Männer. Die Gerüchte, die Digger hätten über 1000 Gewehre, stimmten nicht. Sie waren unzureichend für eine Auseinandersetzung mit dem Militär bewaffnet. Zum Teil hielten sie wie im Mittelalter ihre Picken als Waffe vor sich. Am Morgen des 3. Dezember besetzten die Soldaten heimlich und unbemerkt das Verwaltungscamp und rückten bei der Morgendämmerung mit 182 Reitern und Soldaten, 94 Polizisten, 17 Offizieren und einem Polizeiinspektor im Schutz des Sonnenaufgangs bis etwa 300 Yard vor die Stockade. Es waren doppelt so viele Angreifer wie Digger hinter dem Zaun. Als das Militär dann das Feuer eröffnete schliefen die meisten Aufrührer noch. Die Stockade wurde gestürmt und nach 20 Minuten war alles vorbei. Die Digger entweder tot, gefangen oder geflohen. Fazit: 22 tote Goldsucher, 3 tote und 12 verwundete Soldaten, von denen noch drei später ihren Verletzungen erlagen. Die Toten hat man auf einem gemeinsamen Friedhof bestattet. Und ein Gedenkstein in der Stawell Street erinnert an sie.

Damit wäre der erste Bürgeraufstand in Australien eigentlich beendet, weil in Ballarat die Goldsucher die Schlacht verloren hatten. Aber aus den weiteren Ereignissen gingen sie als Sieger hervor. Denn der Kampf ging weiter. Nur anders! Am 5. Dezember erhielt der Gouverneur vom Parlament eine erste Abfuhr. Er wollte die Absegnung seiner Politik und die nachträgliche Zustimmung für sein Vorgehen. Es kam in Melbourne zu Tumulten, die in dem einheitlichen Ruf Massenschlächter" gipfelten. Und schon am nächsten Tag beschlossen die Abgeordneten die Aufhebung der Licence Hunting" Verordnung.

Auf Versammlungen im Goldfeld ließ der Gouverneur seine Absicht, eine friedliche Lösung herbeizuführen, verkünden. Aber als am 29. Dezember ein Goldfield Report" des parlamentarischen Untersuchungsausschusses eine Änderung der Hunting Gesetze und eine Generalamnestie vorschlug tat der Gouverneur das Gegenteil. Er wollte die Staatseinnahmen nicht gefährden. Die Lizenzjagd ging weiter. Allerdings waren die Polizisten nur noch mit Stöcken bewaffnet. Schließlich stellte man die Jagd Mitte Januar 1855 stillschweigend ein. Da waren aber noch die 114 arretierten Digger. Bis auf 13 wurden alle anderen frei gelassen. Und es kam zum Prozess wegen Landesverrat in Melbourne. Landesverrat hieß nach damaliger Rechtssprechung Todesstrafe. Die Verteidiger der Angeklagten waren listig, als sie die Verhandlung gegen einen Afroamerikaner als ersten der Angeklagten durchsetzten. Und hier brachten sie die Anklage des Landesverrates zu Fall. Gericht und Geschworene stimmten der Verteidigung zu, dass es lachhaft sei, anzunehmen, ein einfacher Neger wolle Krieg gegen die Queen führen. Sein Freispruch war gut für die folgenden Prozesse. Dann ging es Schlag auf Schlag. Im März 1855 sprach Gouverneur Hotham von den fehlgeleiteten" Diggern, die eigentlich keine eigene Meinung hatten. Und dass die Lizenzgebühr ungerecht sei. Stillschweigend erhielten die Digger Wahlrecht und konnten kandidieren. Im November 1855 wurden Peter Lalor und John Humffray widerstandslos in den Stadtrat von Ballarat gewählt.

Immer wieder betonen Australiens Historiker, dass die Eureka Stockade einen besonderen Platz in der Geschichte Australiens einnimmt. Sie würde als Geburtsstunde der australischen Demokratie gelten, da kein weiterer Aufstand folgte. Schließlich wurde Australien ja mit Schweiß und nicht mit Blut erbaut. Da sind aber die friedlichen" Versuche, die Aborigines auszurotten, wohl übersehen worden?

Und ich bin schon der Meinung, die man auch in der Gedenkstätte Eureka Stockade & Centre" in der Eureka Street lesen kann. Die Debatte über Eureka geht weiter!"

Noch zwei abschließende Bemerkungen. Das ist typisch für Australien. 1997 erhielt posthum ein Hund The Pike man’s dog" einen Orden. Das Tier hatte bei der Schlacht" fast 24 Stunden neben seinem toten Herrn ausgeharrt.

Und die Rolle des deutschen Frederick Vern. Ein ehemaliger Schiffoffizier, der zu den Vertrauten und Beratern Peter Lalors gehört haben soll. Er war beim Angriff geflohen, auf seine Ergreifung wurden 500 Pfund ausgesetzt. Aber trotz dieser hohen Belohnung hat ihn so richtig niemand gesucht. Angeblich war er nicht nur ein aktives Mitglied der Ballarat Reform Liga" sondern auch ein Spion des Gouverneurs Hotham. Der brauchte Unruhen im Goldfeld als Begründung für den Militäreinsatz. Ins Gespräch gebracht hatte sich Vern, als er für die Verteidigung von zwei der drei Brandstifter des Eureka Hotels die hohe Summe von 100 Pfund spendete. Er wurde 1856 wegen Teilnahme am Aufruhr zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem er vorher immer wieder seine Flucht nach Amerika fingiert hatte. Später soll er sich der Regierung in NSW als Helfer beim Einfangen der Buschräuber angeboten haben.

Die Rebellen" hatten das Kreuz des Südens auf blauem Grund zum Banner gewählt. Und heute? Die Fahne der Digger hat den Union Jack abgelöst!

Es ist auf alle Fälle zu empfehlen, ein Besuch im Eureka Centre. Sehr eindrucksvoll steht man plötzlich mitten in den Unruhen damals 1854 im Goldfeld.

Dieter Tischendorf

Aus Und immer weiter zur Sonne"

www.ditido.de

Datum: 12.04.2007

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