The amazing Brisbane

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Sehr früh, gegen 6.00 Uhr, sind wir schon losgefahren. Entlang dem Hwy neben dem Tweed River nach Kingscliff. Nebel lag auf der Flussniederung, reichte bis auf die Strasse. Während ich noch dachte, dass jetzt bald der Berufsverkehr beginnen wird und das Fahren im dichten Nebels gefährlich werden könnte, lösten sich die Schwaden mit aufsteigender Sonne innerhalb weniger Minuten auf. Nur noch über den Feldern des Tales lagen einige Gardinen", die zu den Bergen zwischen Tal und Ozean zogen. Ziemlich zügig kamen wir nun vorwärts.

Bald erreichten wir die Küste und staunten über ein dort entstandenes riesiges Urlauberzentrum. Die Gold Küste! Diese schnellste in Oz gewachsene Metropole erwartet jährlich vier Millionen Urlauber, denen alles, wirklich alles geboten wird. Amerikanisierung pur! Badestrände, Vergnügungsparks, Spielcasinos, Unterkünfte jeder Preisklasse garantieren über das ganze Jahr Urlaub total". Natürlich ist das reizvolle Hinterland ein nicht zu vergessender Erholungsfaktor, das erkennen auch die Betreiber, die mit dem Slogan Grün hinter Gold" für Ausflüge in die Umgebung werben. Malerische Namen hat man sich für die Küstenbereiche ausgedacht. Palm Beach, Mermaid Beach, Miami usw. Und von Tweed Heads bis Surfer Paradise hat uns der Goldstrand auch sehr gut gefallen. Die Bebauung war der Natur angepasst. Hier standen wenige hohe Hotels, mehr Flachbauten, die den Blick aufs Meer auch von der Strasse erlaubten. Buchten zwischen bewaldeten Zonen, in denen geschwommen werden konnte. Bis Broadbeach haben wir auf der Karte 17 bewachte Badeplätze entlang des Gold Coast Hwy, auf dem wir jetzt fuhren, gezählt. Aber dann kam die pure Konzentration. Zunehmend nahmen monumentale Hotelhochhäuser zu.

Ab Surfers Paradise herrschte die Steinwüste. Man hat keinen Blick mehr aufs Meer, müsste über die Uferstrassen erst Hinlaufen. Trotzdem unterbrechen grüne Inseln immer wieder die Parade der Steinkolosse. Sicher würde jeder hier seine" Badestelle finden. Aber im Mallorca" Massenansturm? Dass dem so ist, beweisen auch die 17 McDonalds Läden, die 11 riesigen Einkaufszonen. Dieser Rummel wäre nichts für uns, die wir an der Westküste mit Ruhe und Abgeschiedenheit verwöhnt wurden.

Also weiter nach Brisbane. Ach so! Etwas fanden wir im Verhältnis zu Urlaubszentren von West Australia absolut positiv. Die niedrigen Benzinpreise an allen Tankstellen der Goldküste. Gerade an diesen Benzinpreisen erkannten wir einen gravierenden Unterschied zu Deutschland. In WA forderten nämlich die Abgeordneten die –lmultis auf, die Obergrenze für Normalbenzin auf 90 Cent zu begrenzen. Sie drohten sogar mit parlamentarischen Schritten. Eine Haltung, die in Deutschland undenkbar wäre, ist doch der der Staat der Preistreiber.

Auf dem Gold Coast Hwy fuhren wir bis Main Beach und sind dann ins Hinterland wieder zum Pacific Hwy abgebogen. Wir waren 60 Kilometer vor Brisbane. Die Autobahnen hatten teilweise 4 bis 5 Spuren je Fahrseite. Etwas verwirrend, zumal viele Truckfahrer, ungeachtet aller anderen disziplinierten Fahrer, die Autobahn als Eigentum betrachten. Wenn man das Straßennetz einmal verstanden hat, gefahren ist und weiß, wo man hin will, ist Autofahren in Brisbane trotz sehr hoher Verkehrsdichte nicht so schwer. Wir waren zwar richtig abgefahren, fanden uns dann aber im Spinnennetz der Einbahnstrassen, der Sperrungen und Umleitungen nicht mehr zurecht. Ein ganz großes Kompliment möchte ich gleich bei Ankunft an die Brisbaner aussprechen. Die Einwohner mögen es sehr, wenn man von ihnen als Brisbanites" spricht. So nennt sich auch ein örtliches Informationsblatt. Ausgesprochen höflich und rücksichtsvoll im Straßenverkehr! Niemals hatte ich ein bedrängtes Gefühl oder dachte, ein lästiger Fremdkörper im Stadtverkehr zu sein. Natürlich bewährten sich wieder die Fähigkeiten meiner Frau, eine Karte zu lesen und richtig zu interpretieren. Sicher lotste sie uns zum Hotel.

Was sich bei der Herfahrt so andeutete bestätigte sich beim gesamten Aufenthalt. Die Bewohner der Hauptstadt von Queensland sind noch echte Australier, denen man Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nachsagt. Hier bemühten sie sich auch, mit uns langsam und verständlich zu sprechen. Die Brisbanites sind die Kosmopoliten Australiens. Sie halten sich aus dem Streit der Großstädte heraus, da sie der Meinung sind, nirgendwo lebt es sich so gut wie in Brisbane. Die Ausstellung Bite the blue Sky", die über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der 1,7 Millionen Metropole berichtet, demonstriert auch ein Stückchen Lebensphilosophie der Bewohner der Moreton Bay. Greif Dir ein Stück des blauen Himmels" heißt, sei fröhlich und dem Heute positiv zugewandt. Nicht schlecht! Auch für die vielen ausländischen Studenten.

Die Bewohner der Stadt verkörpern mit einem Durchschnittalter von 33 Jahren das junge, moderne und legere Australien. Aus unserem Accommodation Guide hatten wir im traditionellen South Brisbane in der Edmondstone Street zwei Hotels herausgesucht. Das ehemalige Best Western Hotel war wohl entweder eine Absteige oder ein Stundenhotel geworden. Das Edmondstone Motel dagegen machte schon äußerlich einen guten Eindruck, der sich über den gesamten Aufenthalt bestätigt. Unser Glück hier war die geringe Belegung. So hatten wir während des gesamten Aufenthalts einen Dachgarten, gedacht für die Bewohner von drei Zimmern, für uns. Noch eine weitere nutzvolle Besonderheit fanden wir im Hotel. Im Foyer war eine kleine Selbstbedienungs- Bibliothek, mit auch genügend deutschen Büchern. So haben wir jeden Abend bis Mitternacht geschmökert und festgestellt, wie sehr uns das Lesen deutscher Bücher, also ein zügiges Lesen ohne Wörterbuch, gefehlt hatte.

Gegen Mittag checkten wir ein. Ein schwüler, heißer, sonniger Tag war es noch geworden. Wir wollten trotzdem den Nachmittag für einen ersten Stadtbummel nutzen.

1988 wurde die Stadt durch die Weltausstellung, anlässlich der 200 Jahr Feier Australien, weltbekannt. Und an vielen Stellen kann man noch die damaligen Bauten sehen. So spazierten wir vorbei am geschlossenen Brisbane Convention and Exhibition Centre" zur Victoria Brücke, die den Brisbane River überspannt. Außer der Eisenbahnbrücke und der Goodwill Bridge, einer Fußgängerbrücke, gibt es die erwähnte Victoria Bridge, die William Jolly Bridge, die Captain Cook Bridge sowie die Story Bridge für den fließenden Verkehr. Neben den City Cats wird auch ein reger Fährbetrieb auf dem Fluss unterhalten. Der Fluss teilt die Stadt. Nördlich die City und viele Stadtbezirke, südlich South Brisbane, West End und East Brisbane.

Die Stadt wurde 1824 als eine Sträflingskolonie gegründet und wegen der ungünstigen Lage sowie ständigen Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern 1834 zum Brisbane River verlegt. John Oxley, der im Auftrag des Gouverneurs Brisbane neue günstige Gegebenheiten für Sträflingskolonien suchte, hatte 1823 den Fluss nach seinem Auftraggeber benannt. Aber er war nicht der erste Weiße hier. In einer Gruppe Aborigines fiel den Seeleuten ein Mann auf, der größer war als die anderen. Es war Thomas Pamphlett, ein ehemaliger Sträfling aus Sydney, der mit vier Begleitern bei seiner Suche nach Zedernholz hier strandete. Er lebte mit seinem Freund seit Monaten bei den Ureinwohnern. Pamphlett war es auch, der Oxley auf den großen Fluss aufmerksam machte und ihn dorthin führte. Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass der über 10 Tausend Jahre alte Fluss, eine der ältesten Wasserstrassen der Welt ist. Älter als viele Dinosaurier und ein rund 100 Mal älter als der Nil" behaupten die Brisbanites stolz.

Erst 1842 wurde die Sträflingskolonie geschlossen und eine freie Besiedlung ermöglicht. Das war der Beginn einer Bevölkerungsexplosion. Zählte man 1846 noch 829 Einwohner waren es 1859 schon 6.000. Die Bevölkerung nahm ständig zu und ereichte 1902, als die seit 1859 designierte Hauptstadt von Queensland endlich den City Status erhielt, die stolze Zahl von 220.000. Mit dem Greater City Act von 1925, exakt 100 Jahre nach der Gründung, wurde die Stadt durch Eingliederung aller umliegenden Ortschaften mit 1220 Km² die drittgrößte Kommunalbehörde der Welt. Der nächste Boom in dem Bevölkerungswachstum kam zwischen 1940 und 1986, wo sich die Einwohnerzahl auf 1,6 Millionen verdoppelte. Unglaublich klingt die Story von den Finanzreserven. Bei Gründung von Brisbane befanden sich exakt sechs Cent in der Kasse. Und die wurden in der darauf folgenden Nacht gestohlen. Heute verwaltet das Finanzministerium von Queensland 58,5 Billionen Dollar. œber die Victoria Brücke erreichten wir die City. Wir waren in einer Weltstadt. Ohne Zweifel.

Vorbei am Museum, dem Parkland und der sehenswerten South Bank laufen wir auf eine Skyline, ähnlich Adelaide oder Melbourne, zu. Nicht ganz so schön wie Perth oder die City von Sydney. Aber imponierend. Eine Großstadt der relativ kurzen Wege, denn schon nach wenigen 100 Metern waren wir in der Queen Street Mall. Dem Einkaufszentrum der Stadt. œber die 500 Meter lange Shopping Mile flanieren jährlich 26 Millionen Menschen. Das sind 500 Tausend pro Woche. Vielleicht ist die Zahl aber deshalb so imposant, weil es die einzige Mall in Brisbane ist? In Abänderung des lateinischen Spruches  Veni, Vedi, Vici" sagen die Leute hier über die Mall Veni, Vedi, Visa". I came, I saw, I shopped. Uns reichte allerdings die bürokratische Postangestellte, die wir 10 Minuten bearbeitet" hatten und eine Paketkarte für Deutschland trotzdem nicht bekamen. Die Leute sind hier gemütlich, Hektik kommt nicht auf. Allerdings ist außerhalb der großen Straßen auch nicht viel los. Auf dem Rückweg sind wir über die Boundary Street nach West Brisbane gegangen. Toll! Boheme Gemütlichkeit. Angenehmes Sitzen in einem der vielen Straßenlokale. Das atmet Atmosphäre!

Nach dem Abendbrot unternahmen wir bei dem warmen Abend noch einen Spaziergang am Fluss. Rechts und links des Flussufers sind Flanierwege angelegt. Immer wieder grüne Parks mit Bänken fordern auf, sich zu setzten, den Fluss, das andere Ufer und die Jogger zu beobachten. Beim Kurlipa Park unter der William Jolly Bridge ist der Haupttreffpunkt der Stadtstreicher. Dort liegen die verschmutzten Matratzen und nach dort hat die Stadt sogar ein Gestell mit abschließbaren Fächern geliefert, von denen einige aufgebrochen waren. Nicht nur die Landstreicher sind für die Umweltverschmutzung verantwortlich. œberall hin stürmen die Menschen, um seltene Tiere und Pflanzen zu sehen, um sich in der Natur zu erholen. Und sie hinterlassen eine Unratwüste. Wie in Deutschland!

Langsamer als die Ruderer und die Radfahrer sind wir die zwei Kilometer Riverside Drive bis zum Davies Park spaziert. Dort versperrte einer der beliebten" Zäune ein Weiterkommen. Also gingen wir durch West End, wo man sich schon auf den Gaststätten Run des Abends vorbereitete, zurück. Ein schöner, erlebnisreicher Tag, ein wunderschöner Abend. Unser erster Tag in Brisbane.

Eine der Sensation der Weltausstellung 1988 war die South Bank. Auf 16 Hektar wurde ein einzigartiges Freizeit-, Ausbildungs- und Kulturzentrum geschaffen. Viele Gebäude der Weltausstellung sind inzwischen geschlossen oder abgerissen. Das South Bank Parkland blüht schöner denn je.

Diese Gegend hat einen festen Platz in der Geschichte der Stadt. Von dort lieferte 1841 Brisbane per Schiff die erste Wolle der Farmen des Hinterlandes nach Sydney. Eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Transport über Land. Für kurze Zeit, ab 1841 bis Februar 1842, konnte jeder, der das Kapital hatte, an der Moreton Bay siedeln und verladen. Noch heute bestehen hier mehr als drei Kilometer lange Kais. Das änderte sich, als die Hunter’s River Steam Navigation Company" einen geregelten Schiffverkehr zwischen Sydney und Brisbane einführte. Nicht zuletzt auf Betreiben der Schiffseigner, die jede Konkurrenz im Hafen vertreiben wollten, beschloss man schon 1842 einen neuen Stadtbezirk, die South Bank, in diesem Gebiet zu gründen. 36 Parzellen Land wurden verkauft. Natürlich sah die Planung wieder die akkurat rechtwinklig zueinander stehenden Strassen vor. Kurz nach Angebot war alles Land verkauft. Hauptsächlich an Käufer aus Sydney. Diese haben zum Teil das Land, mit dem sie so viel verdienten, nie gesehen. Im Buch South Bank- a historical perspective" sind zahlreiche Bilder aus der Gründerzeit abgebildet. Heute scheint die Gegend hinter dem Parkland nach Abbau der Expo vergessen. Eine Besonderheit muß ich noch erwähnen. Die Strassen der neu gebauten South Bank benannte man, als Gegensatz zu den Royal Straßennamen im Norden, nach aktuellen britischen Politikern Stanley (Kolonialsekretär), Russel (Oppositionsführer), Grey und Melbourne (Premierminister) und dem damals sehr wichtigen Kolonialsekretär Glenelg. Das geschah bevor das Unterhaus versuchte, das tägliche Leben der Australier zu reglementieren. Sonst wäre das nicht geschehen" betont man überall!

Seitdem trennt der Fluss die Stadt in die nördliche Royal- Hälfte und die südliche bürgerliche" Hälfte. Das South Bank Parkland ist eine äußerst attraktive Erholungslandschaft. Zahlreiche Restaurants laden ein. Gepflegte Wege und Parks wechseln mit künstlichen Badeseen, Teichen, Pagoden und sogar einem Regenwaldabschnitt. Kunstzentrum, Universität, Konservatorium, Galerien vervollständigen das Gesamtbild. So lernten wir auf dem kurzen Weg verschiedene Landschaften mit unterschiedlichen Kulturkreisen kennen. Vorbei am Old Maritime Museum" sind wir über den Riverside Bikeway, einem Fußgänger- und Radweg, bis zu den Kangaroo Point Klippen gelaufen. Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf die Stadt. Und auf die nicht zu ferne Store Bridge, die den Verkehr auf zwei Ebenen bewältigt. Die Steine vieler Gebäude sind in den Gründerjahren hier gebrochen worden. Später kam man auf die Idee, als Rückfracht für die Weizenschiffe nach Südamerika, Steine für den Bau und exotische Pflanzen für den Park zu transportieren. Heute dienen diese Klippen als Ufersicherung, als Aussichtspunkt und zum Climbing. Angeblich die beliebteste œbungsstrecke" für Kletterer.

Ein dominierendes Element am Ufer der Nordseite ist der Botanische Garten. Auf einer formschönen Fußgängerbrücke überqueren wir den Fluss. Gleich nach dem œbergang reizt ein Holzplankenweg zum Spazieren am Flussufer. Mangrove Habitat Walkaway" zeigt die unzähligen vielfältig wurzelnden Mangroven am Ufer des Flusses. Und im Schlamm brodelt eine unaufhörliche Aktivität, wie bei Ameisen. Tausende kleine Krebse haben hier ihren Lebensraum und nutzen den Wassertiefstand zur Nahrungssuche. Neben dem Botanischen Garten, der wie alle Gardens in Australien sehr gepflegt ist, steht das alte Government House. Also ärmlich haben die Regierenden wirklich nicht gelebt! Welche Pracht, welcher Luxus. Ein Stück näher der City kommen die Häuser für die Parlamentarier in der George Street. Sicher haben sich die Politiker aus Deutschland vor dem Ausbau von Berlin als Hauptstadt in den australischen Großstädten Anregungen geholt. Der Campus der Technischen Universität hat uns ebenso beeindruckt. Dazu kommt noch, dass dieses Gelände sich mit einer der grausigsten Bluttaten in Queensland verbindet. Noch heute ist die mittlerweile 155 Jahre alte Mordgeschichte ein Beispiel für die Verbindung von Geld und Verbrechen. Es ist unzweifelhaft, dass der irische Einwanderer Patrick Mayne, zunächst mittellos, durch seine Fleischerei in der Queen Street sehr wohlhabend wurde. Leider auch mit den Jahren zunehmend geisteskrank. Er ermordete aus niedrigen Motiven 1848 am Känguru Point einen Mann, zerstückelte ihn und verstreute die Leicheteile. Das Geld des Opfers hatte er an sich genommen. Die ganze Kolonie Queensland war entsetzt über die Untat. Es bestand ein Verdacht auf den Täter. Doch reichte der Einfluss der vermögenden Familie Mayne, nachdem man zwei katholische Schulen eingerichtet hatte und einer der Söhne, der berühmte und reiche Chirurg James, der Stadt Brisbane das Land und das Geld zur Errichtung der technischen Universität schenkte, nachdem sich alle Kinder der Familie verpflichteten, nie zu heiraten, um eine eventuelle genetische Bedingtheit des Wahnsinns nicht zu vererben, dass Patrick Mayne unbehelligt blieb. Kurz vor seinem Tod an Syphilis 1865 soll er wenigstens einen von möglicherweise drei Morden gestanden haben. Ein weiterer Sohn Isaak, ein einflussreicher Rechtsanwalt, verhinderte die Bekanntgabe dieser Tatsache. So blieb für die –ffentlichkeit ein unschuldig Gehängter der Täter. Das letzte der sechs Mayne Kinder starb 1940. Es gibt keine Nachkommen.

Kurz vor der Viktoria Brücke steht das Conrad Treasure Casino. Das ist ein imposanter und sehenswerter Brocken aus der Gründerzeit, den vier Strassen begrenzen. Wieder ringsum die Wandelhallen zur besseren Klimatisierung des Gebäudes. Nun erreichen wir die Brücke und gehen zur nächsten Parallelstrasse der Queen Street Mall, um über diese Adelaide Street zur City Hall zu gelangen. Die Prunkstraßen der australischen Metropolen ähneln sich sehr. Vielleicht bis auf Perth! Ob Sydney, Melbourne, Brisbane oder Adelaide. Der Stil ist der gleiche. City Hall ist ebenfalls so ein riesiger Gebäudeklotz. Die Stadthalle" wurde 1930 eröffnet. 980 Tausend Pfund hat der Monumentalbau gekostet. Damals die größte City Hall im Commonwealth und nach der Sydney Harbour Bridge 1920 das zweitgrößte Objekt Australiens. Die ionischen Säulen und der kürzlich renovierte Glockenturm! Beeindruckend. Man kann bestimmte Räume betreten, Ausstellungen, wie die Brisbane City Galerie im Erdgeschoß, besuchen und die Größe des Hauses bestaunen. Sehr genossen habe ich die Darstellung des Siegeszugs des Rock ’n Rolls in Brisbane 1962. Die haben hier wirklich tolle Musik gemacht. Vor der Hall ist der Hauptplatz der Stadt. Der King George Square. Hier finden alle wichtigen städtischen Veranstaltungen und kommunalen Feierlichkeiten statt. Natürlich darf auf diesem Platz ein King George V. Reiterstandbild nicht fehlen. Wie ärgerlich muß es für die Stadtväter gewesen sein, als sich die Queen verächtlich, wegen der angeblich geringen Gesichtsähnlichkeit, über diese Geste der Ehrung geäußert hat. Auf dem Platz steht auch das Petrie Family Tableau. Eine Pionier Familie aus Brisbane, die 1842 hier ankam. Einer der Söhne wurde später der erste Oberbürgermeister der Stadt. Dieses Standbild war fest in Hand der Asiaten, die sich besonders wegen der beiden Kängurus ausgiebig gegenseitig fotografierten. Schräg gegenüber die bronzenen Forme de Mito" Skulpturen. Ich erspare mir einen Kommentar. 1988 wurden die Skulpturen auf der Expo gezeigt und dann 1991 zum George Square umgesetzt. Wenn ich nur wüsste warum! Sicher verstehe ich von Kunst zu wenig. Wie ich auch mit dem Schrotthaufen" vor der Mensa in Jena nichts anfangen kann.

Natürlich darf in einer britisch orientieren Stadt Speakers Corner nicht fehlen. Gegen diese großen Redner vor dem Herrn konnte ich mich leider nicht durchsetzten. Der Schriftsteller Steele Rudd, geistiger Vater von Dad und Dave", rief Hört nicht auf Ihn!". Die Suffragette Emma Müller drohte mir mit dem Regenschirm und Sir Charles Lilley, Premierminister und Zeitungsherausgeber, untersagte mir die Ansprache. So blieb es bei dem Versuch!

Auf der Suche nach dem Zentralbahnhof, der mehr einem Kaufhaus, denn einem Bahnhof ähnelt, sind wir in der Albert Street an der Presbyterianischen Kirche, die wie ein Kücken von den Hochhäusern bewacht" wird, vorbeigekommen. Brisbane hat viele schöne Kirchen und eine sehr große, beeindruckende St. John Kathedrale. Oberhalb des Bahnhofes geht es hinauf über die Wickham Terrasse zum King Edwards Park und zum Wickham Park. Mitten in der Stadt fanden wir auf dieser Anhöhe eine Oase der Ruhe. Und das, obwohl hier eine besondere Sehenswürdigkeit steht. Die Windmühle. Ein heimliches Wahrzeichen, das schon für alle möglichen Zwecke, auch als Leuchtturm diente. Einfallsreich muß man nur sein. Wenn nicht genügend Wind da war wurde die Windmühle mit wenigen Handgriffen zur Tretmühle" umgerüstet.

Auch Chinatown haben wir uns angeschaut. Aber all diese australischen Chinastädte erreichen nicht die Faszination von New York. Hier in Brisbane blieb Chinatown als ein grünes Stadtviertel in Erinnerung.

Mit dem Wetter hatten wir kein Glück in Brisbane. Immerhin war der Regen so nett, stets zu warten, bis wir wieder im Hotel waren. Das ist eben echte Gastfreundlichkeit. Schon am Tag der Anreise rauschte über Nacht ein Tropengewitter über die Stadt. Am nächsten Tag beobachteten wir trotz Sonnenschein und 32°C stets den Himmel. Und das war gut so. 14.30 Uhr waren wir im Hotel. 15.00 Uhr goss es in Strömen. Derart stark, dass man, wie im TV berichtet wurde, sogar den Lake Moondarra am Leichhardt River beim Mount Isa im Norden von Queensland ablassen musste. Zwei Tage Regen hatten dafür gereicht. In Brisbane standen einige Strassen unter Wasser. Und eine positive Information. The Ghan" ist am 15. Januar zu seinem 3000 Kilometer Trip zwischen Adelaide und Darwin gestartet und wurde am nächsten Tag jubelnd in Alice Springs empfangen. Für uns bedeutete das Wetter und die Aussicht auf wenig Besserung eine Änderung unserer Pläne. Die Sunshine Coast und die Weiterfahrt bis Cairns konnten wir vergessen. Glücklicherweise war die 13 m² große Veranda überdacht. So saßen wir ab Nachmittag im Freien und lasen, lasen, lasen. Alle deutschen Bücher, die in der Bibliothek waren. Interessiert beobachtet von einer Gecko Familie, die am Rande der Glasüberdachung wohnte und sich wie Vögel zwitschernd unterhielt. Am Tag vor unserer Abreise regnete es weiterhin stark. Ein schweres Unwetter hatte den Goldstrand heimgesucht. Ein Minizyklon von 10 Minuten warf einen Baum auf den Dreamworld Sessellift. 50 Menschen warteten drei Stunden in den Sesseln auf Hilfe. An Badebetrieb war nicht mehr zu denken. Gegen Mittag klarte es auf und wir beschlossen, uns noch das Queensland Museum anzusehen. Vom Ufer kann man unterirdisch über eine Holzbalustrade zum Museum gelangen. Im Tunnel begrüßte uns ein aufgehängtes Flugzeug, Blumen, an der Decke schwebende Wale. Es waren noch Ferien, der Eintritt war frei. Folglich hatten alle Urlauber mit ihren Kindern die gleiche Idee wie wir. Wenn wir das nächste Mal in Brisbane sind, und das wird im Dezember 2005 sein, wird für das Museum ein halber Tag eingeplant. Durch den Krach und die herumtobenden Kinder bekamen wir alles nur halb mit. Geblieben ist die Erinnerung an die angeblich größte Kakerlake der Welt (die kannten Otto, die Madagaskarschabe aus Hamburg nicht!), der größte Motte als Leihgabe des Schmetterlingsmuseum von Kuranda, einige sehr interessante Beschreibungen der Traumzeit und viele Informationen über Tiere, Pflanzen und Brisbane. Länger als drei Stunden haben wir es nicht ausgehalten. Im Hotel warteten noch zwei Bücher auf uns. Am Abend sahen wir in den ABC News die triumphale Einfahrt des Never Never Trains" in Darwin und dass es in Queensland weitflächiges Hochwasser gab. Sogar die Ernte war gefährdet. Tonnen von Wasser rauschten im Nordwesten von Queensland herunter. Das staubige Herz" hatte bei 280 cm Hochwasser durch den Thomson River einen Inlandsee bekommen. Außerdem wurde vom Tod eines 54 jährigen australischen Erfolgsautors berichtet, der beim Facelifting an einer Herzattacke starb. Das ist Wasser auf die Mühle der sensationslüsternen Aussies.

Unser Entschluss stand fest. Wie schon damals in Geraldton. Wieder zur Sonne, ins Landesinnere und von dort über New England und die Blue Mountains zur letzten Etappe nach Sydney.

Dieter Tischendorf

Datum: 07.04.2007

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